Wenn einem Paar die Empathie abhanden kommt

Frau G. und Herr Z. sind seit fast 20 Jahren ein Paar. Auf dem Papier. Sie haben alle äusseren Zeichen einer Paarbeziehung: Kinder, ein Haus. Nur etwas scheint all die Jahre gefehlt zu haben: Den anderen in seiner bzw. ihrer Eigenart verstehen zu können und zu wollen.Kurz, Empathie. Frau G. ist die äusserlich erfolgreichere. Sie wirkt pragmatisch, zielorientiert, effizient. Sie ist die treibende Kraft in der Beziehung und jene, welche die Familie einigermassen zusammenzuhalten vermag. Dabei kommt sie regelmässig an ihre psychischen und physischen Grenzen. Der anstrengende Beruf, eine strenge Weiterbildung, die Kinder kommen hinzu. Herr Z. ist weniger tüchtig, pragmatisch und effizient – vielmehr ein Träumer, in seinem eigenen Verständnis ein „Alt-68er“.
Was den beiden über die Jahre abhanden gekommen ist, ist ein Verständnis füreinander, die Fähigkeit sich gegenseitig wahrzunehmen und zu verstehen. Es fehlt eine Unvoreingenommenheit gegenüber dem Partner, als Voraussetzung einer (jeden) Beziehung. Erst unter dieser Prämisse können die alten Konflikte, unterschiedlichen Sichtweisen, Bedürfnisse und Wünsche an den anderen herangetragen werden.
Auch in mehreren Sitzungen (Einzelberatung und Paarberatung) gelingt es Frau G. und Herr Z. nicht, eine derartige Unvoreingenommenheit zu erarbeiten. Beide entwerten sich fortlaufend und machen den anderen für das Scheitern der Beziehung verantwortlich. Frau G. und Herr Z. haben eindeutig zu lange gewartet, die fortwährenden Verletzungen haben beide Seiten zu tief gezeichnet. Das Paar trennt sich wütend.